Relativ am Anfang meiner sportlichen Betätigung mit dem Rennrad, bezwang ich vor 3 Jahren das erste Mal das Stilfser Joch (2757 m) in Südtirol. Damals war dies ein großes Abenteuer und im Nachhinein betrachtet auch eine ziemliche körperliche Herausforderung. Ganz anders sah dies nun in diesem Jahr aus, als das Joch wieder Besuch von mir bekommen sollte. Die aktuelle Bezwingung war durch eine bessere körperliche Verfassung nun auch mehr Genuss statt Qual, sodass auf dem Rückweg noch einige Höhen- und Kilometer auf der Vinschgauer Höhenstraße hinzu kamen.

Tourenbeschreibung

Gegen 4 Uhr starteten wir in München mit dem Auto und über den Fern- & Reschenpass erreichten wir 8:15 Uhr den Bahnhof in Laas wo wir für den Tag parkten. Fix umgezogen und die Laufräder montiert, schon ging es 8:30 Uhr auf dem Etschtalradweg nach Prad am Stilfser Joch. Auf diesen 10 Kilometern geht es fast eben dahin und sie eigenen sich daher gut zum einrollen. Wer direkt in Prad startet, wird womöglich noch „kalt“ sein wenn die erste Steigung beginnt (die bekanntermaßen erst auf 2757 Höhenmeter wieder aufhört 😉 ).

Kurz hinter Stilfserbrücke taucht dann auch die elektronische Hinweistafel für das Stilfser Joch auf, was zumindest für mich immer einen gewissen Start der Auffahrt darstellt, obwohl man bis hierher schon knapp einhundert Höhenmeter überwunden hat. Wenige Kilometer weiter erreicht man Gomagoi, wo man in das Suldental abbiegen könnte, doch wir fahren gerade aus weiter und erreichen bald, nachdem wir eine Galerie passiert haben, die ersten beiden Kehren von 46 weiteren. Der nächste Ort ist Trafoi und auch hier begrüßen uns wieder ein paar Kehren. Spätestens jetzt sollte man sein eigenes Tempo und eine gute Trittfrequenz gefunden haben, die man mindestens anderthalb bis 3 Stunden durchhalten kann.

Vor 3 Jahren habe ich bis Trafoi alleine schon mindestens 2 Pausen eingelegt, doch nun denke ich gar nicht dran, dank einer besseren Kondition. Am Hinterrad eines rüstigen Italieners, der so mir scheint, das Joch täglich erklimmt, geht es durch dichteren Wald empor, bis sich so langsam die Vegetation verabschiedet und die ersten Blicke auf die Spitzkehren unterhalb des Jochs frei werden. Zu unserem Glück spielt das Wetter größenteils auch mit: Kein Regen, wenig Sonne, angenehm kühl aber am Berg leider etwas Gegenwind.

Kehre um Kehre schrauben wir uns so nach oben, begleitet von allerlei Motorrädern und nur wenigen Autos. Und wie auch schon vor 3 Jahren, kommt man früher oder später ins Gespräch mit anderen Radlern. Da wir heuer allerdings richtig gut drauf sind, überholen wir wirklich jeden der uns auf dem Weg nach oben begegnet und so ist der Plausch auch schnell wieder vorbei und der rüstige Italiener abgeschüttelt. In der nächsten Stunde spielt sich bei mir und wahrscheinlich auch vielen anderen, ein nicht zu geringer Teil im Kopf ab. Man überlegt sich dann ganz gern, warum man sich solch eine Strapaze antut, aber spätestens ab der letzten Kurve überkommt einem nochmal die Unvernunft, alles ist vergessen und man versucht die letzten paar Sekunden raus zu holen.

Am Pass angekommen steht schließlich 1 Stunde und 56 Minuten auf dem Tacho für den Aufstieg von Prad bis zum Stilfser Joch, ein neuer persönlicher Rekord ohne Pause oder abzusteigen (nach 3 Stunden und 30 Minuten vor 3 Jahren). Ich bin zufrieden und auf diesem Strava Segment belege ich schließlich Platz 918 von 9262. War vor 3 Jahren noch der Weg das Ziel, bestimmte nun schon die Jagd nach einer guten Zeit die Tour. Trotz dessen ist das Stilfser Joch eine Nummer und Herausforderung für sich. Jeder der mit dem Radl aus eigener Muskelkraft hier oben angekommen ist, darf zu recht stolz auf seine Leistung sein.

Wer dann schon einmal auf dem höchsten Rummelplatz Europas angekommen ist, sollte noch einen Abstecher zur Tibethütte wagen, dies bringt nochmals ein paar Höhenmeter und einen viel besseren Blick auf die Serpentinen als man von der Passhöhe aus haben könnte.

Auch im Hochsommer kann es am Tag ziemlich frisch werden, auf der Abfahrt allemal. Deshalb unbedingt eine Windjacke einpacken, dann macht die Abfahrt über den mittlerweile komplett asphaltierten Umbrail-Pass noch viel mehr Spaß. Für die Abfahrt bis nach Glurns kann man auch nochmal locker 1 Stunde einplanen, je nachdem wie viel Verkehr herrscht. Für viele ist hier bzw. in Prad dann das Abenteure Stilfser Joch schon vorbei, doch wer noch ein paar Körner in den Beinen hat, sollte unbedingt dem Vinschgauer Höhenweg einen Besuch abstatten.

Über Schluderns in Nähe der Churburg befindet sich der Anstieg, durch welchen die Almbauern zu Ihren Gehöften gelangen. Offiziell heißt die Straße – Großfeldweg und am Ende kommt man wieder am Startpunkt in Laas raus. Von Schluderns auf 900 m gelegen, geht es am Südhang des Vinschgaus nochmals auf 1500 m hoch hinaus. Etwa 20 Kilometer ist dieser Höhenweg lang und mit etwas Glück hat man Ihn für sich ganz alleine. Die Aussicht auf das Vinschgau und das Ortler-Massiv ist von hier oben atemberaubend und die rasante Abfahrt nach Laas ist eine verdiente Belohnung für den vorherigen Aufstieg. Lasst euch diesen Geheimtipp also nicht entgehen!

GPS-Track

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