Noch sind die Eindrücke meiner Lauf-Premiere vom Karwendel Berglauf 2016 ganz frisch und ungetrübt, also schnell in die Tasten gehauen und die Gedanken auf den Bildschirm gebracht.

Die nüchternen Fakten des Karwendel Berglaufes sprechen ganz für sich: 11 Kilometer & 1.400 Höhenmeter. Dass diese Zahlen heute allerdings nicht ganz erreicht wurden, lag am Wetter. Denn die letzten Tage hatte sich eine dünne Schicht Neuschnee am oberen Ende des Dammkars und auf den Gipfeln der Linderspitzen breit gemacht. Somit wurde schon im Voraus das Ziel um 150 Höhenmeter tiefer an die Bergstation der Karwendelbahn auf 2.244 Meter verlegt.

Dies kam mir eigentlich ganz gelegen, denn nach meinen bisher eher bescheidenen Berglauf-Erfahrungen war dies der erste Wettkampf am Berg gegen die Zeit (das Stampfl-Bergläufchen mal ausgeklammert). Und die Zeit sollte am Ende ja stimmen, also gut sein. Gut = unter 1 Stunde 40 Minuten, dies war mein persönlich gestecktes Ziel und das wollte erfüllt werden.

Vertical Race? YES!

Früh am morgen bequem mit der Werdenfelsbahn von München aus in 2,5 Stunden angereist, begegnete ich schon am Bahnhof in Mittenwald die ersten Läufer mit gleichem Ziel. Auf dem Weg zur Anmeldung versuchten die erstmaligen Läufer unter uns, schon die ersten Strecken-Tipps einzuholen, doch so richtig ergiebig war die Ausbeute nicht. Also erstmal angemeldet, in der Fußgängerzone umgezogen und auf einmal gesagt bekommen, dass der Start um 45 Minuten nach hinten verschoben wurden. Nicht schlimm, dann ging es eben noch schnell ins nächste Cafe auf eine Tasse Cappuccino und Co. In der Zwischenzeit war auch ein Lauffreund aus München angekommen und versorgte uns nun mit guten Tipps wie man den Lauf am besten angeht.

Nach der kurzen Erfrischung noch schnell die markierten Wechsel-Sachen abgegeben, damit sie im Ziel bereit liegen und dann hieß es schon: Aufstellung!

Im Gegensatz zu anderen Läufen fand ich die Stimmung zum Start recht entspannt, zumeist sind die Läufer vor dem Start etwas aufgeregt und in der Luft liegt dann eine so unruhige Stimmung. Hier jedenfalls nicht. Mit dem Startschuss setzt sich dann der Tross in Bewegung und mit einem 4er bis 5er Pace ging es den ersten Kilometer komplett flach durch Mittenwald in Richtung Talstation Karwendelbahn. Dort warteten bereits die ersten Höhenmeter auf uns und spätestens nach dem ersten geteerten Steilstück welches ca. 500 Meter lang ist und etwas mehr als 20% Steigung besitzt, war das Tempo aus der Gruppe raus. Für mich lief es ganz gut und konnte so immer wieder einige Läufer überholen. Ich hielt mich dabei größtenteils an die vorher eingeholten Strecken-Tipps und ließ diesen noch gut zu laufenden Abschnitt nicht zu schnell angehen.

Die wenigen ebenen oder abfallenden Abschnitte auf der Strecke sind mir schon wieder so schnell entfallen, wie man an Ihnen vorbei läuft. Das Kapitel wäre also abgehackt, unterscheiden wir nun lieber zwischen steil, sehr steil und extrem steil.

Der Abschnitt „steil“ ist auch schnell vergessen, denn dieser geht genau bis zur Talstation der Materialseilbahn Dammkarhütte. Bis hierhin, was auch das Ende des Forstweges markiert, hat man bereits 5 Kilometer zurück gelegt und kann sich am ersten Versorgungspunkt mit Wasser versorgen. Sehr steil geht es nun weiter auf Wanderwegen zwischen immer lichter werdendem Wald und Gebüsch bis hinauf zur Dammkarhütte. Gelegentlich überhole ich noch einen Läufer, doch dies wird aufgrund der engen Wege zunehmend schwieriger. An der Dammkarhütte angekommen hat man etwa 2/3 des Weges geschafft, allerdings erst die Hälfte der Zeit. Der Grund: es wird extrem steil, vertical race trifft es schon ganz gut! Dadurch und weil das Dammkar nun-mal aus groben Geröll besteht, ist an laufen nicht mehr zu denken. Man wandert eher im schnelleren Tempo und versucht sich dabei so gut wie möglich auf den Beinen zu halten. Jeder zweite Schritt rutscht auf dem Geröll ab und statt einem Berglauf gleicht es teils einer Bergwanderung (die nicht minder anstrengend ist). Für mich ist dies eine ganz neue, kraft-intensive Erfahrung. Mehrmals merke ich, wie sich ein Krampf in der linken Wade ankündigt, durch langsameres gehen aber wieder lösen lässt. Von jetzt an bis zum Ziel sind es noch ca. 1,5 Kilometer. Und nun bin ich es, der von ein paar Läufern wieder eingeholt wird. Mir egal, solange ich im Ziel meine gesetzte Zeit von 1:40 halte. Und genau danach sieht es bisher aus.

Dank des vorhin erwähnten Neuschnees, auf welchem wir im hinteren Dammkar schließlich stoßen, wird das Vorankommen nochmals erschwert. Vor mir rutschen die Läufer so oft aus, dass ich selbst Angst haben muss bei einem Fall mit davon gerissen zu werden. Zum Glück geht allerdings alles gut und der rettende Tunnel, welcher ein Indiz des nahenden Zieles ist, kommt in Sichtweite. Dieser ist um die 500 Meter lang und überwindet nochmals 50 Höhenmeter. An dessen Ende steht man dann sofort im Ziel an der Bergstation der Karwendelbahn.

Ein erster Blick auf die Uhr: 1 Stunde und 17 Minuten. Freude pur. Etwas später dämmert mir, dass das GPS-Signal kurz ausgefallen war und die Aufzeichnung pausiert war. Nun sind es also laut offizieller Messung: 1 Stunde, 22 Minuten und 12 Sekunden. Gesamtplatz 72 von 288 männlichen Läufern und in der Alterklasse M30, Platz 13 von 38. Auch darüber freue ich mich sehr und mal schauen, was da so im nächsten Jahr von der Zeit her noch möglich sein sollte.

An dieser Stelle nun erstmal vielen Dank an den Laufclub Mittenwald e.V. für die tolle Organisation rund um den Karwendel-Berglauf. Von der Anmeldung, zum Start über die Streckenverpflegung bis hin zum Ziel war alles bestens organisiert! Ein Teil der Bilder stammt von Hans Bieringer, auch ein Danke an dich.

Dann bis hoffentlich nächstes Jahr.

GPS-Track

Bei GPSies könnt Ihr euch den Track ansehen und in verschiedenen GPS Formaten herunterladen. Einfach auf die untere Grafik klicken.

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