Irgendwann im Winter 2011/2012 kamen meinem Bruder und mir die verrückte Idee in den Kopf, uns einmal an einer Transalp zu versuchen. Schnell war der Entschluss gefasst und als Datum der Juni 2012 fest gemacht. Da wir noch nicht allzu lange mit dem Rennrad unterwegs waren, sollte unsere erste Transalp nicht zu schwer werden, sodass wir uns eine der einfachsten und schnellsten Route durch den Alpenhauptkamm aussuchten. Diese führt von Garmisch bzw. Mittenwald nach Telfs im Inntal, weiter nach Landeck, dann über den Reschenpass ins Vinschgau und weiter ins Trentino nach Trento. Die Strecke war ca. 350 km lang und hatte 3.700 Höhenmeter (inkl. einem Abstecher zum Schloss Juval), welche wir in 3 (4) Tagen absolvierten. Aufgrund des sehr schlechten Wetters, dazu aber später mehr, brachen wir in Trento ab, statt bis wie ursprünglich geplant nach Riva del Garda weiter zu fahren.

Nachfolgend könnt Ihr unsere Tour nach-verfolgen und den Track zum nachfahren herunterladen (ganz am Ende des Berichts).

Vorbereitung

Bevor man sich tollkühn auf das Rennrad schwingt um mal eben durch die Alpen zu radeln, sollte man sich zumindest über den groben Ablauf und die Organisation im Klaren sein. Wir gingen dies nicht blauäugig, aber doch recht locker an. So entschieden wir uns dafür, unsere Übernachtungsmöglichkeiten erst vor Ort zu suchen. Dies birgt zwar theoretisch das Risiko, dass man nichts findet, praktisch hatten wir aber Glück. Bei dieser Variante sollte man zudem unbedingt beachten, dass die Suche nach einer passenden Unterkunft recht viel Zeit verschlingen kann, die einem dann wiederum an Fahrtzeit fehlt.

Unter dem Motto „der Weg ist das Ziel“, haben wir uns bewusst Zeit gelassen und sind auch mal etwas schlechtere Nebenstraßen gefahren. Man kommt dann zwar nicht so schnell vorwärts, bekommt aber von der Umgebung viel mehr mit. Eine kluge Streckenplanung ist also Gold wert, in Zeiten von GPS und Tracking-Portalen aber auch kein Kunststück mehr.

Ebenso wichtig ist das mitzuführende Equipment. Einerseits möchte man so wenige Gepäck wie möglich mit sich führen, andererseits aber für alle Fälle gut ausgerüstet sein. Hier kann eine Packliste sehr hilfreich sein. Unsere Minimal-Packliste sah dann folgendermaßen aus.

Packliste

Folgende Utensilien haben wir für die 4 tägige Tour im Rucksack mitnehmen müssen. Dies entspricht einer sehr spartanischen Packliste, welche aber trotz dessen viele Eventualitäten abdeckt. Dabei trugen wir selbst schon am Körper die kurze Radhose, Trikot, ein Funktions-Unterhemd, Radsocken, Rennradschuhe, Funktions-Unterhose, Radbrille, Helm und kurze Handschuhe. Am Rad befanden sich 2 Trinkflaschen, 1 Luftpumpe am Rahmen und der Tacho/GPS-Gerät am Lenker. Der folgende Rest landete im wasserdichten 30 Liter Rucksack:

Bekleidung

  • 1 Paar Rad-Socken
  • kurzes Wechsel-Trikot
  • langes Trikot
  • Wechsel-Radhose
  • Regenjacke
  • Regenhose
  • Wasserdichte Überschuhe
  • Regenschutz für den Helm
  • 1 dünne Fleecejacke
  • 1 Funktionsunterhemd
  • Armlinge und Beinlinge
  • Windjacke
  • 1 Paar leichte Freizeitschuhe
  • 1 dünne Outdoor Zip-Hose
  • 1 T-Shirt
  • 1 Unterhose

Neben den Rennrad spezifischen Sachen packten wir bewusst auch Freizeitschuhe und Sachen ein, denn Früh und Abends in der Unterkunft wollten wir uns nicht in Radler-Montur blicken lassen.

Essen & Trinken

  • 6 Getränke-Pulver Päcken
  • 6 Energieriegel
  • 6 Gels

Auf mehr kann man getrost verzichten, wenn man das Gewicht im Blick haben möchte. Gutes Essen gibts unterwegs genügend.

Hygiene

  • Zahnbürste
  • Kamm
  • Zahnpaste (Reisegröße)
  • Sonnencreme (Reisegröße)
  • Duschgel (Reisegröße)
  • Feuchtigkeitscreme (Reisegröße)
  • Medikamente / Schmerztabletten

Equipment

  • Ausweis/Pass
  • Geld
  • Smartphone
  • Fahrrad-Werkzeug (Mini Tool)
  • Ersatzschlauch
  • Flickzeug & Reifenheber
  • Messer
  • Erste Hilfe Kit (Pflaster, Kompressen, Rettungsdecke, Mullbinden, Desinfektionsmittel)
  • leichtes Schloss

An- und Abreise

Zu unserem Start am Bahnhof in Mittenwald kamen wir mittels Regionalbahn ab München. Diese verkehrt meist stündlich ab Hauptbahnhof München und braucht knapp 2 Stunden für die 110 km. Nicht vergessen, auch die Räder brauchen ein Ticket!

Für die Rückfahrt hatten wir uns vorab informiert und wollten von Rovereto aus mittels EuroCity direkt zurück nach München. Die Züge fahren mehrmals täglich und brauchen ca. 6 Stunden. Und hier ein großes ACHTUNG! Wer ein Fahrrad mitnehmen möchte, muss dies vorab reservieren (am besten aus Deutschland). Und zwar nicht erst in Italien, denn dort ist dies nicht möglich. Dies wussten wir nicht und so standen wir in Rovereto am Bahnhof und versuchten mit den Schaffnern am Zug zu diskutieren bzw. mit dem Personal am Bahnhof. Fazit: Keine Chance, obwohl der Fahrrad-Waggon des EuroCity leer war, ließ man uns ohne Reservierung nicht mitfahren. Ende von der Geschichte, über 500€ für einen Mietwagen bei Europar Rovereto bezahlt um mit den Rändern und Gepäck zurück nach München zu kommen. Und dabei war noch nicht das Benzin, die Maut und die Autobahngebühren hinzu gerechnet. Vorher informieren ist hier also höchstes Gebot, möchte man mit dem Radl im Zug zurück fahren.

Tag 1

Ich glaube viel schlechter kann man eine Transalp nicht beginnen. Schon Wochen vorher verfolgten wir die Wetterentwicklungen, nur um wenige Tage vor dem Start feststellen zu müssen, dass ein schönes sommerliches Tiefdruckgebiet sich in den Alpen eingenistet hat und so schnell nicht verschwinden sollte. Aber was soll es, bei gutem Wetter kann schließlich jeder Rennrad fahren.

Kaum am Bahnhof in Mittenwald angekommen, sollte unser Rucksack schon viel leichter werden, denn über unsere Radkleidung kamen nun gleich die Regenhose, die Regenjacke, die wasserfesten Überschuh und der Regenschutz für den Helm. An Schutzbleche hatten wir gar nicht gedacht, aber die hätten bei derart starkem Regen sowieso nichts genützt.

Also nichts wie aufs Rad und los gefahren. Von Mittenwald bogen wir in das Leutaschtal ab, um über den Buchener Sattel (1256m) in das Inntal nach Telfs hinab zu fahren. Bei Aquaplaning auf dem Rennrad eine ganze spezielle Erfahrung…Im Inntal erwartete uns auch die erste Regenpause, welche bis zu unserem Ziel in Landeck anhielt. Größtenteils fuhren wir dabei über Radwege, Nebenstraßen und einige Hauptstraßen. Übermäßig viel Verkehr gab es allerdings nicht. In Landeck hieß es dann nach einer Unterkunft Ausschau halten und so kamen wir im Hotel Gasthof Sonne unter. Die besten Tage hat das Hotel zwar hinter sich, aber es gab einen abschließbaren Radkeller und mehr als schlafen und essen wollten wir sowieso nicht.

Tag 2

Heute lag die längste und schönste Strecke vor uns. Von Landeck aus ging es im ersten Abschnitt den Reschenpass hinauf nach Nauders. Wir wählten dabei den Aufstieg über die Schweizer Seite ab den Ort Martina. Dort ist es um einiges ruhiger und schöner als über die direkte Auffahrt über die B180. So wie wir bereits in Tag 1 gestartet sind, so blieb uns auch der Regen bis zum Reschensee weiterhin treu.

Während der Abfahrt in das einzigartige Vinschgau änderte sich das Wetter wie auf einen Schlag. Vom tristen Dauerregen kamen wir innerhalb weniger Minuten zum wohlig warmen Sonnenschein. Der Wetterumschwung kam genau zum richtigen Zeitpunkt, denn so konnten wir die Obstplantagen und den Etschtalradweg ohne größere Anstrengungen genießen und bis nach Latsch abfahren. Bis auf den Anstieg am Reschenpass geht es meist nur bergab und eben dahin. Dies war zudem unser erster Aufenthalt in Südtirol, speziell dem Vinschgau, welcher sich seitdem in unser Herz geschlossen hat und schon viele weitere Male besucht wurde.

In Latsch kamen wir in der Pension Sattlerenglhof unter, welche wir nur wärmstens weiterempfehlen können! Eine überaus nette Pension mit einem super Radservice und herzlicher Gastgeber-Familie.

Tag 3

Voller Euphorie über das gute Wetter (was in diesem Moment bedeutete, dass es nicht wie aus Kannen regenete), sattelten wir die Räder und folgten den Etschtalradweg bis kurz vor Naturns. Hier haben wir dem Schloss Juval einen kurzen Besuch abgestattet und dabei nochmal 400 Höhenmeter gesammelt. Von dort oben hat man einen wunderbaren Blick über das fast gesamte Vinschgau. Auf dem Etschtalradweg zurück, ging es bis nach Meran fast immer leicht bergab. Von dort aus wollten wir eigentlich den Gampenpass in Angriff nehmen, aber an der Hälfte des Berges überraschte uns unser alter Bekannter der Platzregen wieder auf ein neues.

So entschieden wir uns kurzerhand um und wählten den Weg von Bozen über den Kalterer See ins Trentino. Endstation nach vielen Stunden auf dem Rad bei Platzregen war dann die Ortschat Laghetti, wo wir an einer kleinen Pension im Ort unterkamen. Diese war zwar etwas aus der Zeit gefallen, aber in Anbetracht, dass wir bis auf die Knochen durchnässt waren (selbst die beste Regenkleidung hilft nichts, wenn auf dem Rad die Nässe auch von unten heraufsteigt), war uns jedwedes Dach über dem Kopf nur recht.

Tag 4

Tag 4 begrüßte uns genauso wie Tag 1, Tag 2 und wie Tag 3 geendet hatte. Es ist wieder vom Regen die Rede. Und da es zusätzlich noch bitter kalt geworden war, entschieden wir uns das Ziel von Riva del Garda etwas nach Trento vor zu verlegen. Die Schlussetappe ist somit auch die kürzeste und markiert das Ende unserer ersten Transalp-Erfahrung.

Fazit

Was also haben wir aus der Tour gelernt?

  1. Zu aller erst, dass es oft ein leichtes ist, sich die Unterkunft erst vor Ort zu suchen. Man hat dadurch auch mehr Variationsmöglichkeiten bei der Streckenwahl und muss nicht so hetzen um jeden Tag die geplante Strecke auch zu schaffen.
  2. Man kann so viel im voraus planen wie man möchte, das Wetter aber hat seine eigenen Regeln.
  3. Eine Transalp macht unglaublich viel Spaß und man erinnert sich noch lange daran zurück.
  4. Eine Rückfahrtmöglichkeit sollte am besten noch vor der Abfahrt organisiert werden.
  5. Eine umsichtige Packliste wird von einem entlasteten Rücken honoriert!
  6. Unbedingt irgendwann mal wiederholen!

GPS-Track

Bei GPSies könnt Ihr euch den Track ansehen und in verschiedenen GPS Formaten herunterladen. Einfach auf die untere Grafik klicken.

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