Eine Rennrad Transalp von München nach Venedig ist fast eine Art Alpenüberquerungs-Klassiker. Unsere Tour erstreckte sich dabei über 4 Tage und ist 640 Kilometer lang, wobei knapp über 10.000 Höhenmeter überwunden wurden.

Mittlerweile existiert auch eine offizielle München -> Venedig Transalp Route, die allerdings für ambitionierte Rennradler zu einfach sein dürfte. Aus diesem Grund verabschiedeten wir uns von der offiziellen Route kurz nach Sterzing und nahmen auf dem Weg bis nach Venedig einige zusätzliche Pässe und Berge mit in unseren Touren-Plan auf.

Unterwegs waren wir zu dritt mit Rennrädern und versuchten mit so wenig Gepäck wie möglich zu reisen. In eigens dafür entwickelten übergroßen Gepäcktaschen, sogenannten Seat-/Saddle-Packs, fanden unsere Habseligkeiten ihren Platz. Ich nutzte dazu das Ortlieb Seat-Pack. Wie auch schon bei meiner ersten Transalp, kam die im Beitrag erwähnte Packliste zum Einsatz.

Unsere Unterkünfte buchten wir jeweils im Voraus. Unser Tagesziel befand sich immer auf einem Pass oder Berg, sodass wir jeweils am Folgetage mit einer Abfahrt belohnt wurden. Im Ziel in Venedig wartete ein EuroCity auf uns, der uns und unsere Räder nach München zurück transportieren sollte.

Tag 1

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In aller frühe starteten wir am ersten Tag um 5 Uhr am Morgen. Das Tagesziel sollte das 230 Kilometer entfernte Penser Joch (2211m) sein. Durch die Münchner Schotterebene ging es dabei immer leicht bergauf bis zum Tegernsee und schließlich über unseren ersten Pass, dem Achenpass (941m).

Achenpass & Inntal

Der Achenpass ist als Pass nicht wirklich bemerkbar. Zu beiden Seiten ist die Steigung sehr gering und einen Ausblick gibt es auf der Passhöhe auch nicht. Da es in der Nacht zuvor geregnet hatte, kamen wir hier das erste Mal in den Genuss von nassem Untergrund. Kurz hinter dem Pass passierten wir auch die Deutsch-Österreichische Grenze. Bis zum Achensee geht es nach einer kurzen Abfahrt relativ eben dahin.

Am Achensee lohnt es sich auch die B181 zu verlassen und den Radweg direkt am Seeufer zu benutzen. Hinter Maurach macht wiederum die Abfahrt auf der B181 deutlich mehr Spaß, als über die L7. Beide Straßen treffen sich anschließend in Jenbach und hier ist man dann auch im Inntal angekommen.

Auf relativ langweiligen Straßen geht es im mitunter sehr verkehrsreichen Inntal in Richtung Innsbruck. Wer aber auf der Inntal-Autobahn schon einmal unterwegs war, dem wird die Karlskirche bei Volders bekannt sein. Genau hier beginnt für uns über die alte Römerstraße, der Aufstieg zum Brenner.

Brenner

Um zum Brennerpass (1370m) zu gelangen, nutzten wir teilweise die verkehrsarme alte Römerstraße und später die Brennerstraße (B182). Noch auf Österreichischer Seite überraschte uns während der Auffahrt der erste Platz-Regen und kleinere Regenschauer sollten uns bis nach Italien begleiten.

Führt die alte Römerstraße anfangs noch das Tal hinauf durch kleinere Ortschaften, ist ab Matrei Schluss damit und man muss die Brennerstraße nutzen. Begleitet von der Brennerautobahn, geht es vorbei am Brennersee, bevor man den Brennerpass selbst erreicht. Ein Passchild haben wir vergebens gesucht aber auch sonst ist der Ort nicht sonderlich attraktiv. Auf der Passhöhe befindet sich ebenso die Grenze von Österreich nach Italien.

Glücklicherweise beginnt in der Nähe des Bahnhofs am Brenner die Eisacktal-Radroute, welche wir das Tal hinab bis nach Sterzing folgen.

Penser Joch

In Sterzing auf 950 Meter Höhe angekommen, beginnt jetzt der schwierigste Teil der Strecke, der Aufstieg auf das 2211 Meter hohe Penser Joch. Zu allem Unglück fängt es nun auch wieder leicht zu regnen an und unser Zeitplan ist auch für die Katz. Eigentlich wollten wir spätestens um 19 Uhr auf dem Pass und in unserer Unterkunft, dem Alpenrosenhof angekommen sein. Kurz nach 18 Uhr nahmen wir den etwa 2 stündigen Aufstieg in Angriff und waren schließlich erst kurz nach 20 Uhr auf dem Pass angekommen. Während ich noch relativ trocken ankam, erwischte ein Hagelschauer meine beiden Mitradler kurz vor dem trockenen Ziel.

Tag 2

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Nach einer sehr geruhsamen Nacht und Trockung unserer Kleidung, starteten wir am Tag 2 um 8:30 Uhr die Abfahrt ins Tal. Das Tagesziel für heute sollte der Passo di Giau sein, mit Überquerung des Würzjochs. Doch soviel sei vorab verraten, bis zum Giau kamen wir nicht.

Ritten

In nur wenigen Serpentinen verliert man vom Penser Joch während der Abfahrt nur langsam an Höhenmeter. Entsprechend lang dauerte die Abfahrt, glücklicherweise bei bestem Bergwetter.

Nach 36 Kilometern Abfahrt durch das Sarntal ging es erstmal wieder bergauf, da wir noch den Ritten durchqueren mussten um das Eisacktal erneut zu erreichten, von wo aus die Auffahrt zum Würzjoch beginnt. Der Ritten ist eine Art Bergrücken, mit wunderschönen kleinen Dörfern. Auf der Westseite hat man einen grandiosen Ausblick in das Vinschgau und nach Bozen, während man gen Osten hin die ersten Berge der Dolomiten erblicken kann.

Über einige Gegenanstiege und eine rasante Abfahrt erreichen wir wieder das Eisacktal und ein Stück hinter Klausen, beginnt dann der Anstieg zum Würzjoch.

Würzjoch

Zum Würzjoch auf 2003 Meter Höhe, gelangten wir über die 26 Kilometer lange Westanfahrt bei der 1500 Höhenmeter überwunden werden. Das Würzjoch liegt etwas abseits der Haupttouristenströme und so gestaltete sich die Auffahrt ziemlich ruhig.

Schon während der Auffahrt kommen die ersten Dolomiten-Gipfel immer näher und am Würzjoch selbst, hat man schließlich einen schönen Ausblick auf den Peitlerkofel. Auf dem Würzjoch verbrachten wir eine längere Zeit als geplant, da der Blick in unser nächstes Tal einen Wolkenbruch offenbarte. Da wir allerdings auch schon das Würzjoch später als geplant erreichten, rückte unser Ziel, der Passo di Giau, in weite Ferne. Dank Komoot wurde spontan umgeplant und der Passo di Campolongo (1875m) als Tagesziel festgelegt. Von dort aus sollten es am nächsten Tag bis zum Giau nur noch 35 Kilometer sein.

Passo Campolongo

Nachdem der Regen im Tal schwächer wurde, wagten wir uns an die Abfahrt vom Würzjoch nach St. Martin in Thurn im Gadertal. Kaum unten angekommen, begrüßten uns wieder kleinere Regenschauer die uns durch den Weg durchs Gadertal nach Corvara ein treuer Begleiter blieben. Da wir den Giau nicht mehr erreichten konnten, musste am gesteckten Ziel, dem Passo Campolongo auch eine neue Unterkunft gesucht werden. Zum Glück liegt in unmittelbarer Pass-Nähe das Hotel Monte Cherz bei dem wir uns einquartierten.

Bereits ab St. Martin in Thurn beginnt der Anstieg zum Passo Campolongo. Lediglich die letzten Kilometer ab Corvara sind etwas steiler und mit Serpentinen versehen. Um 21 Uhr erreichten wir schließlich die Passhöhe und damit unsere Unterkunft für diese Nacht.

Tag 3

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Neuer Tag, neues Glück. Nachdem wir gestern den Passo di Giau nicht mehr erreichen konnten, wird er heute unser erstes Etappenziel sein. Anschließendes Tagesziel ist der Monte Grappa, Teil des Grappastocks, der südlichsten Gruppe der Dolomiten.

Passo di Giau

Pünktlich um 9 Uhr verließen wir das Hotel und freuten uns sogleich auf die erste Abfahrt des Tages. Allzu lange währte die Freude allerdings nicht, denn mehr als 500 Höhenmeter ging es nicht hinab, schließlich wollten wir noch auf den Passo di Giau (2236m).

Über den Giau führte zwar nicht unsere Route zum Monte Grappa, aber er lag am Weg und bietet als Passhöhe einen traumhaften Ausblick in die Dolomiten. Die Auffahrt versüßte uns an dem Tag eine entgegen kommende Oldtimer-Rallye und auch das Wetter spielte mit. Die 800 Höhenmeter der Südauffahrt ab Selva di Cadore bis zur Passhöhe erradelten wir in etwas mehr als einer Stunde.

Oben angekommen, bietet sich dann abermals ein grandioser Ausblick in die einzigartige Welt der Dolomiten. Leider war hier oben an diesem Tag, wohl auch wegen der Oldtimer-Rallye, die Hölle los. Autos und Motorräder, wohin das Auge blickte.

Dafür entschädigte uns die darauf folgende Abfahrt zum Tagesziel am Monte Grappa. Von 2200 Meter Höhe am Giau, ging es nun 70 Kilometer bergab auf 350 Meter Höhe.

Monte Grappa

Die 70 Kilometer lange Abfahrt fühlt sich nicht immer wie eine Abfahrt an. Nur auf den ersten Kilometern bis auf Höhe Alleghe, verliert man ordentlich an Höhenmetern. Danach geht es zwar weiter talwärts, aber nur mit sehr geringem Gefälle.

Wir erreichen langsam die Region Venetien und das Klima wird spürbar wärmer. Auch die Vegetation wechselt und die alpine Kulturlandschaft weicht dem mediterranen Kultur- und Baustil. Teils mit starkem Gegenwind kommen wir wieder nicht so schnell voran wie erhofft, doch heute haben wir keine andere Chance, als unsere Unterkunft auf dem Monte Grappa zu erreichen, wenn wir den Tag darauf in Venedig ankommen wollen.

In Feltre stärken wir uns ein letztes mal, bevor wir den Aufstieg zum Monte Grappa (1775m) in Angriff nehmen.

Am Fuße des Bergmassives wird uns schon klar, dass wir heute noch später ankommen, als die Tage zuvor. Und so sollte es auch sein. Nach einer wahrlich einzigartigen, hochsommerlichen/abendlichen Auffahrt, durch eine menschenleere und von der untergehenden Sonne in einzigartiges Licht gehüllte Berglandschaft, erreichten wir gegen 22 Uhr unser Unterkunft, das Rifugio Ardosetta. Diese liegt an einer der unzähligen Straßen die den großflächigen Gipfelbereich des Grappa umgeben. Da der Gipfel schon in der dunklen Nacht verschwand, schenkten wir uns die restlichen Höhenmeter für heute und fuhren direkt zur Unterkunft.

Tag 4

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Letzter Tag auf unserer Transalp von München nach Venedig. Das Ziel ist zum Greifen nah, ist doch der Monte Grappa der letzte Berg auf dem Weg gen Venedig.

Am Abend zuvor waren wir erst im Dunkeln angekommen und konnten den Berg weder richtig sehen, noch hatten wir Lust auf einen Gipfelsturm. Dies holten wir in der früh noch nach und erstrampelten die 400 Höhenmeter bis zum Gipfel in relativ kurzer Zeit. Unzählige gestählte Italiener auf ihren edlen Rennrädern taten es uns gleich und am Gipfelplateau herrschte fast eine größere Rennradler-Dichte als auf dem Stilfser Joch.

Venedig

Nachdem der Monte Grappa bezwungen wurde, stand auch hier die Abfahrt in die Po-Ebene an. Auf den 20 Kilometern Abfahrt vom Monte Grappa, verliert man 1500 Höhenmeter bis zum Talort Borso del Grappa.

In Anbetracht der Uhrzeit, entschieden wir uns für den direkten, verkehrsreichsten Weg nach Venedig. Dieser führte durch Castelfranco und Mestre direkt nach Venedig. Auf den letzten Metern vor der Brücke nach Venedig wird aktuell ein neuer Radweg gebaut, sodass wir anfangs aus der Stadt kommend noch auf einer Straßenbahn-Straße fahren mussten. Am Horizont tauchten schließlich langsam die Umrisse von Venedig auf.

Ziemlich erstaunt waren wir vom Auto-Verkehr welcher uns auf der Brücke nach Venedig herein begleitete. Kaum in Venedig angekommen, endet der Radweg und man ist gut beraten, das Rad zu schieben und sich zu Fuß unter die Touristenmassen zu schummeln. Auf dem Weg zum Bahnhof entstand schließlich unser „Daumen-Hoch-Abschlussfoto“.

Sichtlich zufrieden und voller Stolz, die Alpen in 4 Tagen von München nach Vendig bezwungen zu haben, suchten wir uns noch ein kleines Restaurant in einer ruhigen Seitengasse, um die vergangenen Tage gebührend zu verabschieden. Pünktlich erreichten wir anschließend den EuroCity, der uns über den Brennerpass und das Inntal zurück nach München brachte.

Fazit

Wie schon bei meiner ersten Transalp, war es auch diesmal wieder ein großes Abenteuer. Trotz gewissenhafter Planung, kann man das Wetter nicht planen und dadurch entstehende Ruhezeiten bei Starkregen, können den Tourenplan gehörig durcheinander bringen. Wer sich also auch einmal an einer Transalp versuchen möchte, was ich jedem nur dringendst empfehlen kann, sollte auch immer eine Ausweichroute in der Hinterhand bereit halten.

Mein Tourenbericht spiegelt nur einen Teil unserer Erlebnisse wider, denn die Kulturlandschaft welche wir auf den 640 Kilometern hinter uns gelassen haben, bietet dermaßen viele Eindrücke und Erlebnisse, dass diese ein ganzes Buch füllen könnten. In diesem Sinne sei euch nochmals wärmestens empfohlen, euch auch an einer Transalp zu versuchen.

Ebenso ist es ratsam, mit möglichen Mitfahrern schon vorher einmal gemeinsame Runden gedreht zu haben. Auch mental kann eine Transalp eine Herausforderung sein und nur als Team zusammen mit der nötigen Toleranz untereinander, wird man diese erfolgreich meistern.